Der erste Ursprung geht eigentlich auf das Jahr 1740 zurück. Aber in größerem Umfang gehen die Anfänge der Gebetswoche auf zwei unabhängige Initiativen zurück: Der Anglikaner Paul Wattson hat im Jahre 1908 vom 18. - 25. Januar eine Gebetsoktav eingeführt, die die Rückkehr der verschiedenen christlichen Kirchen nach Rom zum Inhalt hatte. 1916 erklärte der damalige Papst diese Initiative als für die ganze römisch-katholische Kirche als verbindlich ein.

Die zweite Initiative der Gebetswoche ist eine Aktivität des Vorbereitungsausschusses für die erste Weltkonferenz für Glaube und

 

Kirchenverfassung, der 1920 eine spezielle Gebetswoche für die Einheit angeregt hatte, die in der Pfingstzeit abgehalten werden sollte. 1941 verlegte die Kommission für Glauben und Kirchenverfassung dieses Datum in den Januar, um Christen aller Konfessionen das Beten für die Einheit gemeinsam mit den Katholiken zu ermöglichen.

Seit 1973 wird jeweils eine ökumenische Gruppe in einem bestimmten Land um einen ersten Entwurf gebeten, der dann von der gemeinsamen Arbeitsgruppe so bearbeitet wird, dass er weltweit verwendet werden kann. In diesem Jahr haben dies die Christen des Nahen Ostens übernommen und wählten aus mehreren Gründen das Thema des Sterns, der im Osten aufgeht. Die Christen im Westen feiern Weihnachten, aber das ältere und für viele Christen des Ostens wichtigste Fest ist das der Erscheinung des Herrn, an dem Gottes Heil den Völkern in Bethlehem und am Jordan offenbart wird. Diese Konzentration auf die Theophanie (die Erscheinung des Herrn) ist in einem gewissen Sinne ein Schatz, den die Christen des Nahen Ostens mit ihren Brüdern und Schwestern auf der ganzen Welt teilen können.

Die Christen im Nahen Osten tun dies in dem Bewußtsein, dass viele ihrer Mühen und Probleme auch in anderen Teilen der Welt erfahren werden und dass sich die Welt nach einem Licht sehnt, das auf den Weg zum Erlöser führt, der alle Finsternis überwinden kann. Die Corona-Pandemie hat eine Wirtschaftskrise ausgelöst, und es scheitern diejenigen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Strukturen, die dem Schutz der Schwächsten und am meisten Verletzlichen dienen sollten. Das macht nachdrücklich bewusst, dass die Welt ein Licht braucht, das in der Finsternis leuchtet. Der Stern, der vor zweitausend Jahren im Osten, im Nahen Osten, erschien, ruft uns noch immer zur Krippe, an den Ort, an dem Christus geboren wird. Er führt uns dorthin, wo der Geist Gottes lebendig ist und wirkt, in dem wir getauft sind und der unsere Herzen verwandelt.

Es gibt derzeit über 200 unterschiedliche, voneinander mehr oder minder deutlich getrennte christliche Gemeinschaften. Die Überwindung dieser Spaltungen und die Wiederherstellung der Einheit in einer versöhnten Verschiedenheit ist das Anliegen der ökumenischen Bewegung.
In der südlichen Hemisphäre der Welt, wo der Januar aufgrund des dann dort herrschenden Sommers Ferienzeit ist, wir die Woche zur Einheit der Christen oft um Pfingsten herum gefeiert.

Für die Gebetswoche wird weltweit umfangreiches Material in mehreren Sprachen zur Verfügung gestellt - angefangen von Plakaten bis hin zu Gottesdienstvorlagen, Meditationen und Betrachtungen zum jeweils aktuellen Thema. "Und wir sind in der Gebetswoche eingeladen, um den Geist der Versöhnung und Liebe zu beten. Denn wahre Liebe löscht die Unterschiede nicht aus, sondern führt sie versöhnt zu einer tieferen Einheit zusammen." (Peter Seul, in: KiZ 2/22 vom 14.1.2022).

Weitere Informationen sind zum Beispiel auf der Webseite der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) zu finden, von der auch die meisten Teile dieser Seite entnommen sind.

Das diesjährige Motiv der internationalen Organisation zur Gebetswoche
(World Council of Churches / WCC)


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